Ratgeber, mit aktuellen Zahlen aus offiziellen Vergabedaten
Auslaufende IT-Verträge der öffentlichen Hand finden, bevor die Ausschreibung erscheint
Geschrieben von Ravid Efroni, Gründer von Tendervane · aktualisiert 15. Juli 2026
Im Oktober 2025 vergab das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten eine Rahmenvereinbarung für Software-Entwicklungsdienstleistungen: vier Lose, von Low-Code bis Data Science, maximal 185,6 Millionen Euro, an Capgemini, msg systems, BearingPoint und Computacenter. Zwölf Unternehmen hatten geboten. In der Bekanntmachung steht auch das Laufzeitende: Oktober 2027.
Damit weiß jeder, der beim nächsten Zyklus mitspielen will, heute schon, wann er spätestens mit dem Auftraggeber sprechen sollte. Das ist kein Einzelfall und kein Insiderwissen. Es steht öffentlich im Netz, für fast jeden vergebenen IT-Auftrag. Man muss es nur lesen, und zwar früh genug.
Quellen: offizielle Vergabebekanntmachungen auf TED (eForms) und im Bekanntmachungsservice des Bundes (oeffentlichevergabe.de), Stand 21. Juli 2026. Auftraggeber, Auftragnehmer, Wert und Zuschlagsdatum sind Fakten aus der Bekanntmachung. Das erwartete Ende ist immer eine gekennzeichnete Schätzung.
So finden Sie auslaufende Verträge selbst, kostenlos
1. Vergebene Aufträge im Bekanntmachungsservice. Auf oeffentlichevergabe.de laufen die Bekanntmachungen von Bund, Ländern und teilnehmenden Kommunen zusammen. Filtern Sie auf Ergebnisbekanntmachungen und die CPV-Codes Ihres Marktes, für Software und IT-Dienstleistungen die Reihen 48 und 72. Dort stehen Auftraggeber, Gewinner und oft Wert und Laufzeit.
2. TED für europaweite Vergaben. Seit 2024 veröffentlicht TED strukturierte eForms mit Gewinner, Wert und Laufzeit. Für Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte ist das die vollständigste Quelle, auch rückwirkend.
3. Rechnen Sie zurück. Zuschlagsdatum plus Laufzeit plus Verlängerungsoptionen ergibt das erwartete Ende. Rahmenvereinbarungen dürfen in der Regel höchstens vier Jahre laufen, § 21 VgV. Ziehen Sie vom erwarteten Ende 12 bis 18 Monate ab, und Sie haben den Zeitraum, in dem Sie den Auftraggeber kennenlernen sollten, solange die Anforderungen noch nicht geschrieben sind.
Warum das fast niemand durchhält
Das Verfahren funktioniert, und es kostet nichts außer Zeit. Genau da liegt das Problem. Tausende Ergebnisbekanntmachungen pro Jahr, zwei Systeme, keine gemeinsame Struktur. Die Laufzeit steht mal als Feld, mal im Fließtext, mal nur in den Unterlagen. Derselbe Anbieter heißt in der einen Bekanntmachung anders als in der nächsten. Und im nächsten Monat kommen neue Zuschläge dazu, die Liste veraltet also ab dem Tag, an dem sie fertig ist.
Dazu kommt eine deutsche Besonderheit: Seit dem 1. Juli 2026 können Vergabestellen des Bundes Leistungen bis einschließlich 50.000 Euro netto als Direktauftrag beschaffen, also ohne Vergabeverfahren; eine allgemeine Vorab-Bekanntmachung gibt es dafür nicht, und für Länder und Kommunen gelten eigene Wertgrenzen. Bei einem Direktauftrag muss der Auftraggeber selbst einen geeigneten Anbieter finden; wer in Marktrecherche, Verzeichnissen und vorhandenen Kontakten nicht auftaucht, kann bei dieser Auswahl übersehen werden. Eine Attendierung bei Veröffentlichung ist in beiden Welten zu spät: oberhalb der Schwelle stehen die Anforderungen dann schon weitgehend, unterhalb erscheint oft gar nichts.
Was Tendervane davon übernimmt
Tendervane macht genau diese Handarbeit, laufend. Jeden Monat werden alle Ergebnisbekanntmachungen neu eingelesen, dedupliziert und bewertet. Jeder Vertrag bekommt ein Dossier: was er wert ist, wer heute liefert, wann er voraussichtlich zurückkommt und worauf diese Schätzung beruht. Signale wie neue Ausschreibungen Ihrer Auftraggeber werden täglich verfolgt.
Eine Grenze gehört dazu: Sechs von zehn deutschen IT-Vergaben nennen keinen Auftragswert. Daran ändert auch ein Radar nichts. In diesen Dossiers steht dann „Wert nicht veröffentlicht". Wir halten Fakten und Schätzungen konsequent auseinander, auf jeder Seite.
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Häufige Fragen
Wie zuverlässig sind erwartete Enddaten?
Es sind Schätzungen, und so werden sie auch angezeigt. Jede Schätzung hat eine Basis: ein explizites Laufzeitende aus der Bekanntmachung, eine Berechnung aus Zuschlagsdatum plus Laufzeit, oder eine Anreicherung aus den Unterlagen. Dazu gehört ein Konfidenzniveau. Fakten wie Auftraggeber, Auftragnehmer, Wert und Zuschlagsdatum stammen direkt aus der offiziellen Bekanntmachung, und jedes Dossier verlinkt die Quelle, damit Sie alles selbst prüfen können.
Darf man diese Daten überhaupt nutzen?
Ja. Vergabebekanntmachungen sind öffentliche Publikationen, genau dafür gedacht, dass der Markt mitlesen kann. Der deutsche Bekanntmachungsservice stellt seine Daten sogar ausdrücklich als Open Data unter freier Lizenz bereit. Tendervane liest die offiziellen Bekanntmachungen und verweist auf sie.
Ersetzt das einen klassischen Ausschreibungsdienst?
Nein, es ist etwas anderes. Ein Ausschreibungsdienst meldet Ihnen, was veröffentlicht wurde. Da ist die Leistungsbeschreibung längst geschrieben. Ein Radar zeigt, welche Verträge zurück an den Markt kommen, Monate bevor eine Ausschreibung existiert. Wer beides nutzt, nutzt sie für verschiedene Phasen.
Was kostet Tendervane?
Es gibt einen kostenlosen Plan, in dem der Radar sichtbar bleibt. Bezahlte Pläne beginnen bei 249 Euro pro Monat, pauschal für Ihr Unternehmen, ohne Preis pro Nutzer. Jede Registrierung startet mit 14 Tagen vollem Pro-Workflow und 10 Kontaktfreischaltungen, ohne Kreditkarte.