Datenbericht · Juli 2026
40,5 Prozent der deutschen IT-Lose melden genau ein Angebot. Die Niederlande liegen erstmals deutlich darunter.
Geschrieben von Ravid Efroni, Gründer von Tendervane · aktualisiert 17. Juli 2026
8.254 ausgewertete Lose aus 8.666 deutschen IT-Zuschlagsbekanntmachungen (eForms, Datenservice Öffentlicher Einkauf) und 1.560 Lose aus 1.683 niederländischen (TED), Zuschläge Januar 2024 bis 17. Juli 2026, Haupt-CPV aus den Abteilungen 48 oder 72. Methode und jeder Nenner offengelegt. Stand: 17. Juli 2026.
2024 unterschieden sich Deutschland und die Niederlande beim Wettbewerb um öffentliche IT-Aufträge kaum: In beiden Ländern meldeten gut vier von zehn bezuschlagten Losen genau ein eingegangenes Angebot. Die vorläufige Auswertung für 2026 ergibt erstmals einen Abstand von fast neun Prozentpunkten, vor allem wegen des niedrigeren niederländischen Werts.
40,5 %
der ausgewerteten deutschen IT-Lose meldeten genau ein Angebot (3.345 von 8.254)
29,9 %
vorläufige niederländische Quote 2026 (86 von 288 Losen, bis 17. Juli), nach 40,7 % in 2024
50,2 %
deutsche Quote in der Wertklasse 250.000 € bis 1 Mio. € (522 von 1.040 Bekanntmachungen)
8,8 %-Pkt.
vorläufiger Abstand zwischen Deutschland und den Niederlanden 2026, nach 1,5 Prozentpunkten 2024
Eine veröffentlichte 40-Prozent-Aussage, mit offenem Nenner nachgerechnet
In einem eGovernment-Interview vom Januar 2026 sagte der Gründer von GovIntel, bei mehr als 40 Prozent der deutschen IT-Ausschreibungen werde nur ein Angebot abgegeben. Das Interview nennt dafür keinen Zeitraum und keinen Nenner. Unsere getrennte Auswertung aller 8.666 IT-Zuschlagsbekanntmachungen aus dem Bekanntmachungsservice des Bundes seit Januar 2024, auf Losebene und ausschließlich über das eForms-Feld für eingegangene Angebote, kommt für den hier definierten Korpus auf 40,5 Prozent (3.345 von 8.254 ausgewerteten Losen).
Was hinter so einem Los stehen kann, zeigen zwei Bekanntmachungen des Beschaffungsamts des BMI: eine Rahmenvereinbarung über Produkte des Herstellers F5 Networks mit einem Höchstwert von 264 Millionen Euro (Oktober 2025) und eine über Serversysteme des Herstellers Fujitsu mit einem Höchstwert von 260 Millionen Euro (Mai 2026). Für beide wurde jeweils ein eingegangenes Angebot gemeldet. Das Vergaberecht lässt Herstellerbezüge nur unter bestimmten Voraussetzungen zu. Ob die Produktvorgabe in diesen beiden Verfahren rechtmäßig war, beurteilen wir nicht; aus den Bekanntmachungen geht auch nicht hervor, warum weitere Angebote ausblieben.
| Vergabestelle | Gegenstand | Wert | Eingegangene Angebote | Zuschlag |
|---|---|---|---|---|
| Beschaffungsamt des BMI | Rahmenvereinbarung: Produkte des Herstellers F5 Networks | Höchstwert 264 Mio. € | 1 | Oktober 2025 |
| Beschaffungsamt des BMI | Rahmenvereinbarung: Serversysteme des Herstellers Fujitsu | Höchstwert 260 Mio. € | 1 | Mai 2026 |
Ein einziges Angebot macht ein Vergabeverfahren nicht automatisch rechtswidrig, und dieser Bericht prüft die Rechtmäßigkeit einzelner Verfahren nicht. Eine dauerhaft hohe Ein-Angebots-Quote ist trotzdem kein Erfolg des Wettbewerbs.
2024 und 2025 lagen beide Länder fast gleichauf
Der Europäische Rechnungshof berichtete für seine EU-weite Beschaffungsauswertung einen Anstieg von 23,5 Prozent im Jahr 2011 auf 41,8 Prozent im Jahr 2021. Dieser Wert dient hier nur als Kontext. Seine Datenaufbereitung, Abgrenzung und Einheit unterscheiden sich von unserer Losauswertung; die Quoten sind nicht direkt vergleichbar.
In der öffentlichen IT lagen die beiden Länder zwei Jahre lang nah beieinander. Deutschland 2024: 42,2 Prozent der ausgewerteten Lose mit genau einem Angebot (1.390 von 3.295). Niederlande: 40,7 Prozent (237 von 582). 2025: 39,7 Prozent (1.357 von 3.415) gegen 38,4 Prozent (265 von 690). 1,5 Prozentpunkte Abstand im ersten Jahr, 1,3 im zweiten.
Ein-Angebots-Quote je Jahr, Deutschland und Niederlande
Bezuschlagte Lose mit ausgewiesener Zahl eingegangener Angebote, je Zuschlagsjahr (DE n=8.254, NL n=1.560)
* 2026 bis zum 17. Juli, vorläufig. Gesamter Zeitraum: Deutschland 40,5 % (3.345 von 8.254), Niederlande 37,7 % (588 von 1.560).
Die vorläufigen Daten für 2026 zeigen erstmals einen Abstand von fast neun Prozentpunkten
Im laufenden Jahr, ausgewertet bis zum 17. Juli, steht Deutschland bei 38,7 Prozent (598 von 1.545 Losen), die Niederlande bei 29,9 Prozent (86 von 288). Die niederländische Zelle ist die kleinste der Auswertung; die Zahl ist vorläufig und im Diagramm entsprechend markiert. Der Verlauf: Niederlande 40,7, dann 38,4, dann 29,9 Prozent. Deutschland im selben Zeitraum: 42,2, dann 39,7, dann 38,7.
Was die Daten zeigen, ist ein Abstand. Was sie nicht zeigen, ist die Ursache. Aus Zuschlagsbekanntmachungen lässt sich nicht ablesen, ob niederländische Vergabestellen Lose anders zuschneiden, früher in den Markt gehen oder schlicht andere Aufträge vergeben. Die Bekanntmachungsdaten isolieren keinen Rechtseffekt. Der vorläufige Abstand kann mit Auftragsmix, Vergabepraxis, Datenabdeckung oder anderen Faktoren zusammenhängen; dieses Berichtsmaterial trennt diese Erklärungen nicht.
Die höchste deutsche Quote liegt in der Wertklasse 250.000 bis eine Million Euro
In unserem deutschen Korpus weisen 3.357 von 8.666 Bekanntmachungen einen auswertbaren Wert aus (38,7 Prozent); die folgende Auswertung betrifft nur diese Teilmenge. Oberhalb von fünf Millionen Euro liegt die deutsche Ein-Angebots-Quote bei 38,7 Prozent (162 von 419 Bekanntmachungen). In der Wertklasse 250.000 bis eine Million Euro liegt sie bei 50,2 Prozent (522 von 1.040): Jede zweite ausgewertete Bekanntmachung in dieser Klasse meldet genau ein Angebot. Die Ursache zeigen die Bekanntmachungen nicht. In der niederländischen Teilmenge ist die Quote oberhalb von fünf Millionen Euro am niedrigsten (46 von 178 Bekanntmachungen, 25,8 Prozent; unter 250.000 Euro sind es 56 von 146, 38,4 Prozent).
Ein-Angebots-Quote je Wertklasse
Eindeutige Bekanntmachungen (alle bezuschlagten Lose melden dieselbe Angebotszahl); Wert = veröffentlichter Gesamtwert, 0-€/1-€-Beträge ausgefiltert
Bei Rahmenvereinbarungen ist der veröffentlichte Wert häufig ein Höchstwert.
Nachzählen erwünscht
Wir legen Quellen, Zeitraum, Abgrenzung, Zähler und Nenner der veröffentlichten Aggregate offen. Die Auswertung nutzt ausschließlich amtliche Bekanntmachungen: den Bekanntmachungsservice des Bundes (CC0) für Deutschland, TED für die Niederlande. Gezählt werden bezuschlagte Lose mit ausgewiesener Angebotszahl, deren Haupt-CPV der Abteilung 48 oder 72 zugeordnet ist und deren Zuschlagsdatum seit Januar 2024 liegt. Internationale Organisationen mit Sitz in einem der beiden Länder sind ausgeschlossen und benannt (GÉANT, European Medicines Agency, EUROPOL). Mehrfach veröffentlichte Bekanntmachungen desselben Zuschlags sind zusammengeführt: 45 Ketten, 57 Bekanntmachungen in Deutschland, 6 Ketten, 7 Bekanntmachungen in den Niederlanden; Effekt auf die Quote: keiner. 1.934 deutsche Bekanntmachungen weisen auf keinem Los eine Angebotszahl aus und stehen deshalb in keinem Nenner; sie sind in der offenen Datentabelle ausgewiesen. Das Hauptergebnis fasst alle Verfahrensarten zusammen; 23,5 Prozent der Lose entfallen auf ein Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb.
| Schritt | Deutschland | Niederlande |
|---|---|---|
| IT-Zuschlagsbekanntmachungen im Zeitraum (Haupt-CPV 48/72) | 8.666 | 1.683 |
| davon mit Angebotszahl auf mindestens einem bezuschlagten Los | 6.732 | 1.452 |
| ausgewertete bezuschlagte Lose | 8.254 | 1.560 |
| Lose mit genau einem eingegangenen Angebot | 3.345 | 588 |
| Ein-Angebots-Quote | 40,5 % | 37,7 % |
Zwei Grenzen benennen wir selbst. Erstens beschränkt sich unsere Auswahl in beiden Ländern auf die hier definierten eForms-Bekanntmachungen des EU-Regimes. Sie erlaubt keine Aussage über den gesamten Unterschwellenbereich. Zweitens schätzen wir nichts, wo Angaben fehlen: Bekanntmachungen ohne Angebotszahl stehen in keinem Nenner. Externer Kontextanker: ECA Sonderbericht 28/2023, eca.europa.eu/en/publications/sr-2023-28; der EU-Indikator arbeitet auf Verfahrensebene und ist mit unseren Loszahlen nicht direkt vergleichbar.
Was am Jahresende zu prüfen ist
2024 waren Deutschland und die Niederlande beim IT-Vergabewettbewerb kaum zu unterscheiden. Die vorläufigen Zahlen für 2026 trennen sie um fast neun Prozentpunkte. Ob dieser Abstand Bestand hat, zeigt sich am Jahresende; wir rechnen dann mit derselben festgelegten Auswertung nach und veröffentlichen das Ergebnis, auch wenn es die Lücke wieder schließt.
Für Unternehmen bleibt bis dahin eine nüchterne Feststellung: In 40,5 Prozent der ausgewerteten deutschen IT-Lose wurde genau ein Angebot gemeldet. Wir beobachten beide Märkte laufend: welche Verträge auslaufen, wer sie hält und wann sich das Fenster vor der nächsten Ausschreibung öffnet.
English summary
40.5% of evaluated German public-IT lots since 2024 report exactly one received tender (3,345 of 8,254 lots from 8,666 official award notices, eForms, Datenservice Öffentlicher Einkauf). Under an identical lot-level method, the Dutch share is 37.7% overall (588 of 1,560 lots, TED). But the provisional 2026 figures diverge for the first time: Germany 38.7% (598 of 1,545), the Netherlands 29.9% (86 of 288, through 17 July, provisional), after near-parity in 2024 and 2025. The highest German rate sits in the €250K to under €1M value class (50.2%, 522 of 1,040 value-disclosed notices). Methodology, exclusions and the full reconciliation funnel are published above; the aggregate data is downloadable as CSV. (As of 17 July 2026.)
Die Auswertung ist offen; der Radar dahinter ist unser Produkt: welche Verträge auslaufen, wer sie hält, wann sich das Fenster vor der nächsten Ausschreibung öffnet.