Datenbericht · Juli 2026
38,4 Prozent der deutschen IT-Lose melden genau ein Angebot. Die Niederlande liegen erstmals deutlich darunter.
Geschrieben von Ravid Efroni, Gründer von Tendervane · aktualisiert 17. Juli 2026
6.586 ausgewertete Lose aus 6.483 deutschen IT-Zuschlagsbekanntmachungen (eForms, Datenservice Öffentlicher Einkauf) und 1.583 Lose aus 1.726 niederländischen (TED), Zuschläge Januar 2024 bis 17. Juli 2026, Haupt-CPV aus den Abteilungen 48 oder 72. Methode und jeder Nenner offengelegt. Stand: 17. Juli 2026.
2024 unterschieden sich Deutschland und die Niederlande beim Wettbewerb um öffentliche IT-Aufträge kaum: In beiden Ländern meldeten rund vier von zehn bezuschlagten Losen genau ein eingegangenes Angebot. Die vorläufige Auswertung für 2026 ergibt erstmals einen Abstand von knapp sieben Prozentpunkten, vor allem wegen des niedrigeren niederländischen Werts.
38,4 %
der ausgewerteten deutschen IT-Lose meldeten genau ein Angebot (2.528 von 6.586)
28,7 %
vorläufige niederländische Quote 2026 (94 von 328 Losen, bis 17. Juli), nach 40,5 % in 2024
46,0 %
deutsche Quote in der Wertklasse 250.000 € bis 1 Mio. € (403 von 877 Bekanntmachungen)
6,9 %-Pkt.
vorläufiger Abstand zwischen Deutschland und den Niederlanden 2026; 2024 lagen beide Länder gleichauf
Korrektur · 4. August 2026. Nach Berichtigung der Datumszuordnung gilt: 38,4 Prozent von 6.586 ausgewerteten Losen melden genau ein Angebot, zuvor 40,5 Prozent von 8.254 Losen. Die Kernaussage bleibt bestehen, der Abstand zu den Niederlanden 2026 beträgt jedoch 6,9 statt 10,0 Prozentpunkte. Begründung und weitere Änderungen
Eine interne Prüfung der Datumsfelder ergab, dass unser Parser beim Bekanntmachungsservice des Bundes Datumsangaben aus Verweisblöcken als Zuschlagsdatum übernahm; als Zuschlagsdatum diente dadurch faktisch das Veröffentlichungs- bzw. Versanddatum der Bekanntmachung. Nach der Korrektur zählt die Auswertung nur noch Lose mit veröffentlichtem Vertragsschlussdatum (eForms BT-145) im Zeitraum; Bekanntmachungen ohne ein solches Datum stehen in keinem Nenner und werden nicht geschätzt.
Weitere geänderte Werte: die Jahreswerte 2024/2025/2026 betragen 40,0/38,4/35,6 statt 42,2/39,7/38,7 Prozent, und 2024 lag die deutsche Quote damit knapp unter der niederländischen. Die niedrigeren Werte beruhen auf der korrigierten Kohortenbildung, nicht auf einer Veränderung des Wettbewerbs. Alle niederländischen Zahlen (TED) sind nicht betroffen und reproduzieren unverändert. Diagramme und CSV wurden neu erzeugt.
Korrektur (22. Juli 2026): 43 niederländische Bekanntmachungen, die vor dem Stichtag auf TED veröffentlicht waren, fehlten noch in unserer monatlichen Verarbeitung. Betroffen ist ausschließlich die niederländische Vergleichsspalte (Gesamtquote 36,9 % → 36,5 %; 2026 vorläufig 29,6 % → 28,7 %); alle deutschen Zahlen reproduzieren unverändert. Der vorläufige Abstand 2026 betrug damit 10,0 statt 9,1 Prozentpunkte (dieser Wert ist durch die Korrektur vom 4. August 2026 überholt: er beträgt jetzt 6,9 Prozentpunkte); der Befund des Berichts bleibt unverändert.
Korrektur (21. Juli 2026): ein Verarbeitungsfehler zählte doppelt veröffentlichte Statistikblöcke als separate Lose; auch damals war nur die niederländische Spalte betroffen (37,7 % → 36,9 %). Details zu beiden Korrekturen im Korrekturprotokoll.
Eine veröffentlichte 40-Prozent-Aussage, mit offenem Nenner nachgerechnet
In einem eGovernment-Interview vom Januar 2026 sagte der Gründer von GovIntel, bei mehr als 40 Prozent der deutschen IT-Ausschreibungen werde nur ein Angebot abgegeben. Das Interview nennt dafür keinen Zeitraum und keinen Nenner. Unsere getrennte Auswertung aller 6.483 IT-Zuschlagsbekanntmachungen aus dem Bekanntmachungsservice des Bundes seit Januar 2024, auf Losebene und ausschließlich über das eForms-Feld für eingegangene Angebote, kommt für den hier definierten Korpus auf 38,4 Prozent (2.528 von 6.586 ausgewerteten Losen).
Was hinter so einem Los stehen kann, zeigen zwei Bekanntmachungen des Beschaffungsamts des BMI: eine Rahmenvereinbarung über Produkte des Herstellers F5 Networks mit einem Höchstwert von 264 Millionen Euro (Oktober 2025) und eine über Serversysteme des Herstellers Fujitsu mit einem Höchstwert von 260 Millionen Euro (Mai 2026). Für beide wurde jeweils ein eingegangenes Angebot gemeldet. Das Vergaberecht lässt Herstellerbezüge nur unter bestimmten Voraussetzungen zu. Ob die Produktvorgabe in diesen beiden Verfahren rechtmäßig war, beurteilen wir nicht; aus den Bekanntmachungen geht auch nicht hervor, warum weitere Angebote ausblieben.
| Vergabestelle | Gegenstand | Wert | Eingegangene Angebote | Zuschlag |
|---|---|---|---|---|
| Beschaffungsamt des BMI | Rahmenvereinbarung: Produkte des Herstellers F5 Networks | Höchstwert 264 Mio. € | 1 | Oktober 2025 |
| Beschaffungsamt des BMI | Rahmenvereinbarung: Serversysteme des Herstellers Fujitsu | Höchstwert 260 Mio. € | 1 | Mai 2026 |
Ein einziges Angebot macht ein Vergabeverfahren nicht automatisch rechtswidrig, und dieser Bericht prüft die Rechtmäßigkeit einzelner Verfahren nicht. Eine dauerhaft hohe Ein-Angebots-Quote ist trotzdem kein Erfolg des Wettbewerbs.
2024 und 2025 lagen beide Länder fast gleichauf
Der Europäische Rechnungshof berichtete für seine EU-weite Beschaffungsauswertung einen Anstieg von 23,5 Prozent im Jahr 2011 auf 41,8 Prozent im Jahr 2021. Dieser Wert dient hier nur als Kontext. Seine Datenaufbereitung, Abgrenzung und Einheit unterscheiden sich von unserer Losauswertung; die Quoten sind nicht direkt vergleichbar.
In der öffentlichen IT lagen die beiden Länder zwei Jahre lang nah beieinander. Deutschland 2024: 40,0 Prozent der ausgewerteten Lose mit genau einem Angebot (915 von 2.286). Niederlande: 40,5 Prozent (234 von 578). 2025: 38,4 Prozent (1.117 von 2.906) gegen 36,9 Prozent (250 von 677). Im ersten Jahr lag die deutsche Quote knapp unter der niederländischen, im zweiten 1,5 Prozentpunkte darüber.
Ein-Angebots-Quote je Jahr, Deutschland und Niederlande
Bezuschlagte Lose mit ausgewiesener Zahl eingegangener Angebote, je Zuschlagsjahr (DE n=6.586, NL n=1.583)
* 2026 bis zum 17. Juli, vorläufig. Gesamter Zeitraum: Deutschland 38,4 % (2.528 von 6.586), Niederlande 36,5 % (578 von 1.583).
Die vorläufigen Daten für 2026 zeigen erstmals einen deutlichen Abstand
Im laufenden Jahr, ausgewertet bis zum 17. Juli, steht Deutschland bei 35,6 Prozent (496 von 1.394 Losen), die Niederlande bei 28,7 Prozent (94 von 328). Die niederländische Zelle ist die kleinste der Auswertung; die Zahl ist vorläufig und im Diagramm entsprechend markiert. Der Verlauf: Niederlande 40,5, dann 36,9, dann 28,7 Prozent. Deutschland im selben Zeitraum: 40,0, dann 38,4, dann 35,6.
Was die Daten zeigen, ist ein Abstand. Was sie nicht zeigen, ist die Ursache. Aus Zuschlagsbekanntmachungen lässt sich nicht ablesen, ob niederländische Vergabestellen Lose anders zuschneiden, früher in den Markt gehen oder schlicht andere Aufträge vergeben. Die Bekanntmachungsdaten isolieren keinen Rechtseffekt. Der vorläufige Abstand kann mit Auftragsmix, Vergabepraxis, Datenabdeckung oder anderen Faktoren zusammenhängen; dieses Berichtsmaterial trennt diese Erklärungen nicht.
Die höchste deutsche Quote liegt in der Wertklasse 250.000 bis eine Million Euro
In unserem deutschen Korpus weisen 2.823 von 6.483 Bekanntmachungen einen auswertbaren Wert aus (43,5 Prozent); die folgende Auswertung betrifft nur diese Teilmenge. Oberhalb von fünf Millionen Euro liegt die deutsche Ein-Angebots-Quote bei 37,6 Prozent (147 von 391 Bekanntmachungen). In der Wertklasse 250.000 bis eine Million Euro liegt sie bei 46,0 Prozent (403 von 877): Fast jede zweite ausgewertete Bekanntmachung in dieser Klasse meldet genau ein Angebot. Die Ursache zeigen die Bekanntmachungen nicht. In der niederländischen Teilmenge ist die Quote oberhalb von fünf Millionen Euro am niedrigsten (46 von 180 Bekanntmachungen, 25,6 Prozent; unter 250.000 Euro sind es 57 von 147, 38,8 Prozent).
Ein-Angebots-Quote je Wertklasse
Eindeutige Bekanntmachungen (alle bezuschlagten Lose melden dieselbe Angebotszahl); Wert = veröffentlichter Gesamtwert, 0-€/1-€-Beträge ausgefiltert
Bei Rahmenvereinbarungen ist der veröffentlichte Wert häufig ein Höchstwert.
Nachzählen erwünscht
Wir legen Quellen, Zeitraum, Abgrenzung, Zähler und Nenner der veröffentlichten Aggregate offen. Die Auswertung nutzt ausschließlich amtliche Bekanntmachungen: den Bekanntmachungsservice des Bundes (CC0) für Deutschland, TED für die Niederlande. Gezählt werden bezuschlagte Lose mit ausgewiesener Angebotszahl, deren Haupt-CPV der Abteilung 48 oder 72 zugeordnet ist und deren veröffentlichtes Vertragsschlussdatum (eForms BT-145; seit der Korrektur vom 4. August 2026 das einzige als Zuschlagsdatum gewertete Feld) seit Januar 2024 liegt. Internationale Organisationen mit Sitz in einem der beiden Länder sind ausgeschlossen und benannt (GÉANT, European Medicines Agency, EUROPOL). Mehrfach veröffentlichte Bekanntmachungen desselben Zuschlags sind zusammengeführt: 41 Ketten, 52 Bekanntmachungen in Deutschland, 6 Ketten, 7 Bekanntmachungen in den Niederlanden; Effekt auf die Quote: höchstens 0,1 Prozentpunkte. 922 deutsche Bekanntmachungen weisen auf keinem Los eine Angebotszahl aus und stehen deshalb in keinem Nenner; sie sind in der offenen Datentabelle ausgewiesen. Das Hauptergebnis fasst alle Verfahrensarten zusammen; 20,6 Prozent der Lose entfallen auf ein Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb.
| Schritt | Deutschland | Niederlande |
|---|---|---|
| IT-Zuschlagsbekanntmachungen im Zeitraum (Haupt-CPV 48/72) | 6.483 | 1.726 |
| davon mit Angebotszahl auf mindestens einem bezuschlagten Los | 5.561 | 1.489 |
| ausgewertete bezuschlagte Lose | 6.586 | 1.583 |
| Lose mit genau einem eingegangenen Angebot | 2.528 | 578 |
| Ein-Angebots-Quote | 38,4 % | 36,5 % |
Zwei Grenzen benennen wir selbst. Erstens beschränkt sich unsere Auswahl in beiden Ländern auf die hier definierten eForms-Bekanntmachungen des EU-Regimes. Sie erlaubt keine Aussage über den gesamten Unterschwellenbereich. Zweitens schätzen wir nichts, wo Angaben fehlen: Bekanntmachungen ohne Angebotszahl stehen in keinem Nenner. Externer Kontextanker: ECA Sonderbericht 28/2023, eca.europa.eu/en/publications/sr-2023-28; der EU-Indikator arbeitet auf Verfahrensebene und ist mit unseren Loszahlen nicht direkt vergleichbar.
Was am Jahresende zu prüfen ist
2024 waren Deutschland und die Niederlande beim IT-Vergabewettbewerb kaum zu unterscheiden. Die vorläufigen Zahlen für 2026 trennen sie um knapp sieben Prozentpunkte. Ob dieser Abstand Bestand hat, zeigt sich am Jahresende; wir rechnen dann mit derselben festgelegten Auswertung nach und veröffentlichen das Ergebnis, auch wenn es die Lücke wieder schließt.
Für Unternehmen bleibt bis dahin eine nüchterne Feststellung: In 38,4 Prozent der ausgewerteten deutschen IT-Lose wurde genau ein Angebot gemeldet. Wir beobachten beide Märkte laufend: welche Verträge auslaufen, wer sie hält und wann sich das Fenster vor der nächsten Ausschreibung öffnet.
English summary
38.4% of evaluated German public-IT lots since 2024 report exactly one received tender (2,528 of 6,586 lots from 6,483 official award notices, eForms, Datenservice Öffentlicher Einkauf). Under an identical lot-level method, the Dutch share is 36.5% overall (578 of 1,583 lots, TED). But the provisional 2026 figures diverge for the first time: Germany 35.6% (496 of 1,394), the Netherlands 28.7% (94 of 328, through 17 July, provisional), after two years of near-parity (Germany 40.0% vs the Netherlands 40.5% in 2024, 38.4% vs 36.9% in 2025). The highest German rate sits in the €250K to under €1M value class (46.0%, 403 of 877 value-disclosed notices). Methodology, exclusions and the full reconciliation funnel are published above; the aggregate data is downloadable as CSV. (As of 17 July 2026; corrected 22 July and 4 August 2026, see the corrections log.)
Die Auswertung ist offen; der Radar dahinter ist unser Produkt: welche Verträge auslaufen, wer sie hält, wann sich das Fenster vor der nächsten Ausschreibung öffnet.