Datenanalyse · Juli 2026
Knapp die Hälfte der deutschen Ein-Angebots-Lose stammt aus Verfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb
Geschrieben von Ravid Efroni, Gründer von Tendervane · aktualisiert 17. Juli 2026
Korrektur · 4. August 2026. Nach Berichtigung der Datumszuordnung gilt: 1.208 von 2.528 Ein-Angebots-Losen (47,8 Prozent) entfallen auf Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf, zuvor 1.756 von 3.345 (52,5 Prozent). Die Kernaussage bleibt bestehen, die Zerlegung des Rückgangs fällt jedoch anders aus. Begründung und weitere Änderungen
Eine interne Prüfung der Datumsfelder ergab, dass unser Parser beim Bekanntmachungsservice des Bundes als Zuschlagsdatum faktisch das Veröffentlichungs- bzw. Versanddatum führte. Nach der Korrektur zählt die Auswertung nur noch Lose mit veröffentlichtem Vertragsschlussdatum (eForms BT-145) im Zeitraum: 6.586 statt 8.254 Lose.
Weitere geänderte Werte: die Quote innerhalb der Verfahrensart 89,2 statt 90,5 Prozent, der Anteil dieser Verfahren an allen Losen 20,6 statt 23,5 Prozent, Lose ohne Verfahrensangabe 44 statt 80. Die Zwei-Gruppen-Zerlegung des Rückgangs fällt auf der korrigierten Kohorte anders aus als zuvor veröffentlicht: der Kompositionsanteil beträgt rund 76 statt rund einem Drittel. Der Abschnitt zur Zusammensetzung wurde entsprechend neu gefasst und weist beide Ergebnisse aus. Kreuztabelle und CSV wurden neu erzeugt.
Der vollständige Eintrag steht im Korrekturprotokoll.
1.208 der 2.528 deutschen IT-Lose mit genau einem gemeldeten Angebot entfallen auf Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb, also 47,8 Prozent. Die viel zitierte Ein-Angebots-Quote fasst damit rechtlich und wirtschaftlich verschiedene Beschaffungswege zu einer Zahl zusammen. Stand: 17. Juli 2026.
Diese Analyse ergänzt unseren Datenbericht zur Ein-Angebots-Quote um eine Aufschlüsselung nach dem in eForms gemeldeten Verfahrenscode. Datenbestand, Stichtag und Methode sind identisch. Die Kennzahl von 38,4 Prozent bleibt unverändert; die Aufschlüsselung begrenzt jedoch, was sich aus ihrem Niveau als Wettbewerbsindikator ableiten lässt.
Der Befund
Von 6.586 ausgewerteten Losen melden 2.528 genau ein eingegangenes Angebot. Verteilt man diese Lose auf die in der Bekanntmachung angegebene Verfahrensart, entfällt gut die Hälfte auf eine einzige Verfahrensart.
Ein-Angebots-Quote je Verfahrensart
Anteil der Lose einer Verfahrensart, die genau ein eingegangenes Angebot melden. Deutsche IT-Zuschläge ab 2024, Stand 17. Juli 2026.
- Offenes Verfahren24,9 %
906 von 3.634 Losen
- Verhandlungsverfahren ohne Aufruf89,2 %
1.208 von 1.354 Losen
- Verhandlungsverfahren mit Aufruf24,1 %
325 von 1.346 Losen
- Nicht offenes Verfahren23,4 %
30 von 128 Losen
- Ohne Verfahrensangabe43,2 %
19 von 44 Losen
- Übrige Verfahrensarten50,0 %
40 von 80 Losen
Quelle: Tendervane · Bekanntmachungsservice des Bundes (eForms). Die beiden letzten Zeilen sind kleine Restgruppen mit 80 beziehungsweise 90 Losen; ihre Quoten sind entsprechend unsicher.
| Verfahrensart | Lose insgesamt | Lose mit genau 1 Angebot | Ein-Angebots-Quote innerhalb der Verfahrensart |
|---|---|---|---|
| Offenes Verfahren | 3.634 | 906 | 24,9 % |
| Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb | 1.354 | 1.208 | 89,2 % |
| Verhandlungsverfahren mit vorherigem Aufruf zum Wettbewerb | 1.346 | 325 | 24,1 % |
| Nicht offenes Verfahren | 128 | 30 | 23,4 % |
| Ohne Verfahrensangabe in der Bekanntmachung | 44 | 19 | 43,2 % |
| Übrige Verfahrensarten | 80 | 40 | 50,0 % |
Quelle: Tendervane · Bekanntmachungsservice des Bundes (eForms) · Stand 17. Juli 2026. Die Spalte "Anteil" ist der Anteil der Lose dieser Verfahrensart, die genau ein Angebot melden.
Der eForms-Code „neg-wo-call“ bezeichnet ein Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf zum Wettbewerb; im deutschen Vergaberecht ist dafür der Begriff Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb gebräuchlich. Er sagt nicht, ob und wie viele Unternehmen zur Angebotsabgabe aufgefordert wurden. Die Quote von 89,2 Prozent beschreibt ausschließlich, wie häufig für die Lose dieser Gruppe genau ein Angebot gemeldet wurde.
Unter „Übrige Verfahrensarten“ sind zusammengefasst: oth-single (46 Lose), oth-mult (16), comp-dial (13) sowie fünf Lose aus Verfahren nach US-Regelwerk.
Was dieser Befund nicht sagt
Ein gemeldetes Angebot bleibt ein gemeldetes Angebot. Diese Auswertung entwertet keine einzige der Zahlen aus den Bekanntmachungen, und sie sagt nichts darüber aus, ob ein Wettbewerb gescheitert ist.
Sie sagt auch nichts darüber, wie viele Unternehmen tatsächlich angesprochen wurden. Ein Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf kann sich an ein Unternehmen richten oder an mehrere. Das Datenfeld gibt darüber keine Auskunft, und wir tragen hier nichts nach, was die Bekanntmachung nicht hergibt.
Belastbar ist genau eine Aussage: Die Kennzahl fasst rechtlich verschiedene Wege zusammen, und wer sie als Wettbewerbsindikator liest, sollte wissen, in welchem Verhältnis diese Wege darin stehen.
Was die Zusammensetzung erklärt, und was nicht
Naheliegend ist die Vermutung, der im Bericht ausgewiesene Rückgang der Gesamtquote entstehe vor allem daraus, dass der Anteil der Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf schrumpft. Wir haben das nachgerechnet. Auf der bis zum 4. August 2026 veröffentlichten Kohorte traf die Vermutung nicht zu; auf der korrigierten Kohorte trägt sie weitgehend. Beide Befunde gehören zur Transparenz dieser Seite, und der folgende Absatz beschreibt den korrigierten Stand.
| Zuschlagsjahr | Alle Verfahren: Quote (Lose) | Ohne neg-wo-call: Quote (Lose) | Anteil neg-wo-call an allen Losen |
|---|---|---|---|
| 2024 | 40,0 % (2.286) | 25,0 % (1.753) | 23,3 % |
| 2025 | 38,4 % (2.906) | 25,4 % (2.334) | 19,7 % |
| 2026 (vorläufig) | 35,6 % (1.394) | 25,1 % (1.145) | 17,9 % |
Quelle: Tendervane · Bekanntmachungsservice des Bundes (eForms) · Stand 17. Juli 2026. 2026 ist ein laufendes Jahr und bis zum 17. Juli 2026 ausgewertet, die Werte sind vorläufig.
Ohne die Verfahren ohne vorherigen Aufruf liegt die Quote 10,5 Punkte tiefer
Ein-Angebots-Quote deutscher IT-Lose je Zuschlagsjahr, einmal über alle Verfahren und einmal ohne Lose mit dem eForms-Code neg-wo-call.
- Alle Verfahren
- Ohne neg-wo-call
Quelle: Tendervane · Bekanntmachungsservice des Bundes (eForms), Stand 17. Juli 2026. 2026 ist ein laufendes Jahr und bis zum Stichtag ausgewertet, die Werte sind vorläufig. Die Differenz ist ein deskriptiver Gruppenvergleich, keine Schätzung dafür, wie die Quote bei einer anderen Vergabepraxis ausgefallen wäre.
Zwischen 2024 und dem vorläufigen Stand bis zum 17. Juli 2026 sank die Gesamtquote um 4,45 Prozentpunkte. Eine symmetrische Zwei-Gruppen-Zerlegung in Lose mit dem eForms-Code „neg-wo-call“ und alle übrigen Lose ordnet 3,36 Prozentpunkte, rund 76 Prozent der Veränderung, der Verschiebung zwischen den Gruppen zu. 1,09 Prozentpunkte, rund 24 Prozent, entfallen auf Veränderungen der gruppenspezifischen Quoten. Die Zerlegung weist keine Veränderungen innerhalb einzelner Verfahrensarten nach, weil die zweite Gruppe mehrere Verfahrensarten und die Lose ohne Verfahrensangabe zusammenfasst.
Die Quote der übrigen Lose beträgt 25,4 Prozent im Jahr 2025 und vorläufig 25,1 Prozent bis zum 17. Juli 2026. Der beobachtete Unterschied von 0,3 Prozentpunkten belegt wegen des laufenden Jahres keine stabile Seitwärtsbewegung.
Für das Niveau ist die Gruppenzusammensetzung dennoch wesentlich: 2026 beträgt die Gesamtquote vorläufig 35,6 Prozent; ohne Lose mit dem Code „neg-wo-call“ beträgt sie 25,1 Prozent. Die Differenz von 10,5 Prozentpunkten ist ein deskriptiver Gruppenvergleich und keine Schätzung dafür, wie die Quote bei einer anderen Vergabepraxis ausgefallen wäre.
Methode, Nenner und was wir geprüft haben
Grundgesamtheit sind deutsche IT-Zuschlagsbekanntmachungen mit einem Haupt-CPV aus den Abteilungen 48 oder 72, Zuschlagsdatum ab Januar 2024, Stand 17. Juli 2026. Quelle ist der Bekanntmachungsservice des Bundes im eForms-Format. Gezählt wird auf Losebene, weil die Angebotszahl je Los gemeldet wird. Die Verfahrensart stammt aus derselben Bekanntmachung wie die Angebotszahl.
| IT-Zuschlagsbekanntmachungen im Zeitraum (Haupt-CPV 48/72) | 6.483 |
| davon mit Angebotszahl auf mindestens einem bezuschlagten Los | 5.561 |
| ausgewertete bezuschlagte Lose | 6.586 |
| davon Lose mit genau einem eingegangenen Angebot | 2.528 |
| davon aus Verhandlungsverfahren ohne vorherigen Aufruf | 1.208 |
Ein offengelegter Nenner genügt nicht; ebenso offenzulegen sind mögliche Zuordnungs- und Abdeckungsfehler. Deshalb hier die vier Fragen, die diese Auswertung kippen könnten, und was die Prüfung ergeben hat.
- Wird eine Bekanntmachung doppelt gezählt?
- Nein. 6.483 verschiedene Bekanntmachungsnummern, keine davon durch mehr als einen Zuschlagsdatensatz belegt.
- Kann die Verfahrensart einem falschen Los zugeordnet werden?
- Nein. Von 5.561 ausgewerteten Bekanntmachungen tragen 488 mehrere Lose, und keine einzige trägt mehr als eine Verfahrensart. Die Zuordnung kann deshalb nicht über Lose hinweg verrutschen.
- Wie viele Lose haben gar keine Verfahrensangabe?
- 44 von 6.586, also 0,67 Prozent. Sie stehen als eigene Zeile in der Tabelle und werden nicht stillschweigend einer Verfahrensart zugeschlagen.
- Fehlen Bekanntmachungen im Cache?
- Keine. Alle 6.483 lagen zum Stichtag als amtliches XML vor.
Die Kernzahlen 6.586, 2.528 und 1.208 sowie die Jahreszellen hinter der Zerlegung sind in Prüfschritt B6 von verify-data-truth gepinnt; die Zerlegung selbst wird mit report-de-shiftshare reproduziert. Beide Prüfungen wurden am 4. August 2026 gegen den auf den 17. Juli 2026 abgegrenzten, korrigierten Datenbestand ausgeführt. Bewegt sich einer der Werte, schlägt die Prüfung fehl, bevor die Zahl erneut zitiert wird. Korrekturen an veröffentlichten Zahlen protokollieren wir mit Datum unter Genauigkeit und Korrekturen.
Daten zum Download
Die vollständige Kreuztabelle steht als CSV bereit: für jedes Zuschlagsjahr und jede Verfahrensart die Zahl der ausgewerteten Lose und die Zahl der Lose mit genau einem gemeldeten Angebot, 18 Zeilen ohne Zwischensummen. Wer die Spalten aufaddiert, erhält exakt die 2.528 von 6.586 Losen aus diesem Text.
Semikolon als Trennzeichen, Komma als Dezimaltrennzeichen, UTF-8 mit BOM, damit die Datei in deutschen Tabellenprogrammen ohne Nacharbeit korrekt öffnet. Freigegeben unter CC BY 4.0: Weiterverwendung erlaubt, Quellenangabe genügt.
Ein Hinweis zur Belastbarkeit: Die Kreuztabelle ist ein feinerer Schnitt als die veröffentlichte Kennzahl, und einzelne Zellen werden klein. Das nicht offene Verfahren kommt 2026 auf 31 Lose, die Zeile ohne Verfahrensangabe 2025 auf 10. Eine Quote auf einer Zelle dieser Größe ist keine belastbare Quote. Deshalb stehen in der Datei die Anzahlen vorn und die Quote nur als Bequemlichkeit.
Zitieren
Tendervane (2026): Verfahrensarten hinter der Ein-Angebots-Quote in der öffentlichen IT. Auswertung deutscher eForms-Zuschlagsbekanntmachungen, Stand 17. Juli 2026.
Übernahme der Zahlen, Tabellen und Grafiken mit Quellenangabe ausdrücklich erwünscht; für den Datensatz gilt CC BY 4.0. Rückfragen beantworten wir schriftlich und zitierfähig. Eine Gastanalyse ist möglich.
Tendervane zeigt, welche öffentlichen IT-Verträge in den nächsten 6 bis 18 Monaten auslaufen, wer sie heute hält und was in der Bekanntmachung steht. Auftraggeber, Auftragnehmer, Wert und Zuschlagsdatum sind Fakten aus der Bekanntmachung. Das erwartete Ende ist immer eine gekennzeichnete Schätzung.
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